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"Methoden der Bildwissenschaft - ihr Nutzen für die Kulturwissenschaften"

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Bild/Kritik und/oder Bildtheorien

Gabriele Werner, Kunstgeschichte

Gastprofessorin für Neuere und neueste Kunstgeschichte am Institut für Kunstgeschichte, Universität Wien

 

Material und Information: eine Loslösung?

Daniel Terkl, Kunstgeschichte

Mitarbeiter der DiFaB am Institut für Kunstgeschichte, Universität Wien

 

BILDER INTEGRIEREN? Bildwissenschaftlich geleitete Forschung in der Wissenschaftsgeschichte

Marianne Klemun, Geschichte

Professorin für neuere Geschichte am Institut für Geschichte, Universität Wien

Bilder spielen auf vielen Ebenen des Wissens und der Wissenschaft eine entscheidende und je nach Bezugsfeld unterschiedliche Rolle. Wissenserzeugung, Wissensbeglaubigung, Wissensstabilisierung, Wissenslegitimierung, Wissensverteilung und Wissensverbreitung wie auch Wissenserwerb funktionieren außer über Texte auch über Bilder. Zu unterscheiden ist der Status der Bilder im zeitgenössischen Produktionsprozess von jenem, der den Bildern heute im wissenschaftshistorischen Kontext und in den Fragestellungen zugeschrieben wird. Letzterem Aspekt soll der Vortrag gewidmet sein, wobei anhand von sogenannten „Pflanzenbildern" verschiedene Zugänge erläutert werden.

 

Bildwissenschaften und „visual culture“. Kulturwissenschaftliche Zugänge und die Praxis des Bilderbetrachtens mit Studierenden

Michaela Haibl, Europäische Ethnologie

Gastprofessorin am Institut für Europäische Ethnologie, Universität Wien

 

Bilddatenbank DiFaB "Digitales Forschungsarchiv Byzanz": Forschungsperspektiven

Lioba Theis – Fani Gargova, Kunstgeschichte

Professorin für Byzantinische Kunstgeschichte an den Instituten für Kunstgeschichte und für Byzantinistik und Neogräzistik, Universität Wien, und:Mitarbeiterin der DiFaB am Institut für Kunstgeschichte, Universität Wien

 

Heimat als Utopie, am Beispiel von Migranten

Klaudija Sabo, Zeitgeschichte

Politik der Sichtbarkeit in Johannesburg zwischen ‚Wohlstandsgefängnis‘ und ‚Ghettoisierung‘ unter dem Primat der Sicherheitsfrage

Marietta Kesting, Zeitgeschichte

Assistentinnen am Institut für Zeitgeschichte, Universität Wien

 

Ist der Tod eine Frau? Frauen in bildlichen Darstellungen sepulkraler Thematik in klassischer Zeit

Viktoria Räuchle, Klassische Archäologie

Doktorandin am Institut für Klassische Archäologie, Universität Wien

Seit dem 8. Jh. v.Chr. lässt sich für die attische Gesellschaft mit Bildern belegen, daß Frauen für Bestattungsriten und Totengedenken zuständig waren; auf zahllosen Vasenbildern wird die Aufbahrung des Toten (Prothesis) in einem stets ähnlichen Bildschema vorgeführt: Der oder die Verstorbene ruht im Zentrum des Bildfeldes auf einer Liege, um die sich vorwiegend weibliche Figuren gruppieren, die in expressiven Gesten ihre Trauer bekunden – die dargestellten Männer sind in der Unterzahl und werden in ihrem Schmerz deutlich beherrschter charakterisiert. Seit klassischer Zeit kommen in der Vasenmalerei, auf sog. weißgrundigen Lekythen, Darstellungen der Grabpflege hinzu, die ebenfalls zeigen, dass es sich hier um eine spezifisch weibliche Aufgabe handelt: Meist sieht man eine Frau in Begleitung einer Dienerin beim Schmücken des Grabes oder den Vorbereitungen zum Besuch der Grabstätte. Auch die (leider rar gesäten) antiken Schriftquellen legen die soeben skizzierte Geschlechterverteilung nahe: In den durch Solon im Jahre 594 v. Chr. erlassenen Grabluxusgesetzen wird vor allem der Einsatz professioneller Klageweiber reglementiert, was dafür spricht, dass es sich hierbei um eine gängige Praxis handelte. Auch literarische Schilderungen deuten diese Zuständigkeit an, so etwa die Bestattung Hektors in der Ilias (Hom. Il. 24.719-24) oder der Besuch Elektras am Grab ihres Vaters Agamemnon in der Orestie des Aischylos (Aisch. Choeph. 26-36).

Diese eindeutige Rollenverteilung muss bedacht werden, möchte man sich mit dem besonderen Phänomen der attischen Grabreliefs auseinandersetzen; es handelt sich um eine spezifische Denkmalgattung, die in dem nur kurzen Zeitraum zwischen ca. 430 und ca. 310 v. Chr. aufgestellt wurde und die den Verstorbenen häufig im Kreise der lebenden Angehörigen darstellte. Auch in archaischer Zeit hatte es ähnlich monumentale, figürliche Grabmäler gegeben, die allerdings mit Beginn des 5. Jahrhunderts v. Chr. ein Ende fanden, vielleicht in Zusammenhang mit einem erneuten Grabluxusgesetz (vgl. Cic. Leg. 2.23.59-60). Kurz nach Beginn der Perserkriege setzte die Tradition der Staatsbegräbnisse zu Ehren in der Schlacht Gefallener ein, die durch ihren stark öffentlichen Charakter nun in den Aufgabenbereich der Männer fielen; im Bezirk des demosion sema (»öffentliches Staatsgrab«) wurden über mehrere Generationen die einzig prunkvollen Grabstätten überhaupt aufgestellt. Die in der Zeit der Peloponnesischen Kriege aufkommenden Grabreliefs müssen vor diesem Hintergrund interpretiert werden: Mit dem (sehr wahrscheinlichen) Verbot prächtiger Steindenkmäler zu Beginn des 5. Jahrhunderts und den kurz darauf einsetzenden öffentlichen Kriegerbestattungen wurde den Familien und besonders den Frauen ein zentraler Aspekt traditionellen Totengedenkens genommen. Im Zuge des unerbittlichen Peloponnesischen Krieges kam es plötzlich und stillschweigend wieder zu reich ausstaffierten Grabanlagen – der Verdacht liegt also nahe, dass diese Aufhebung früherer Reglementierungen auch auf Drängen der Privatleute und damit speziell der weiblichen Bevölkerung vonstatten ging. Nun darf man sich ein solches »Drängen« natürlich nicht als von wütenden Witwen und zornigen Müttern organisierte Protestmärsche vorstellen; vielmehr könnte sich in den neuen Grabmälern eine Art staatlicher Kompensationsmaßnahme verbergen, die den Unmut und die Verzweiflung der gebeutelten Bevölkerung abfedern sollte, indem sie den Familien und besonders den Frauen die Möglichkeit zurückgab, in alter Pracht um ihre Toten zu trauern, ihnen standes- und traditionsgemäß zu gedenken. Lässt sich darin auch nicht die einzige Erklärung für das abrupte Aufkommen der Grabreliefs sehen, so könnte es sich hierbei doch um einen vieler möglicher Faktoren (z. B. Pest in den Jahren 430-426 v. Chr., neues Repräsentationsbewusstsein der männlichen Bürgerschaft etc.) handeln – die schriftlichen Quellen lassen uns hier leider im Stich.

Im Jahre 317 v. Chr. bereitet der von den Makedonen eingesetzte Statthalter Demetrios von Phaleron dieser speziellen Grabform durch ein erneutes Gesetz ein Ende – und erhöht damit unbewusst die faszinierende Aura, die seit Jahrhunderten von dieser einzigartigen Denkmälergattung ausgeht.


Schrift:

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